Chronik

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„Vom Marsch zum Medley – 85 Jahre Blasorchester“

Vereinschronik mit vielen Bildern zum Download (2,1 MB), hier

… wer wir sind

Die Freude am gemeinsamen Musizieren in der Freizeit führt uns im Blasorchester Eberstadt zusammen. Wir sind derzeit fast 50 Hobbymusikerinnen und –musiker, hinzu kommen an die 20 Schülerinnen und Schüler. Unser Motto lautet „…weil Musik Spaß macht!“. Spaß machen soll die Musik natürlich zuallererst einmal unserem Publikum. Aber auch die Musikerinnen und Musikern selbst müssen mit Lust und Laune bei der Sache sein – das ist unser Erfolgsrezept.

Seit fast 40 Jahren gibt es das Blasorchester Eberstadt in seiner heutigen Form. Gegründet wurde der Verein aber schon im Jahr 1922 als kleiner Turner-Spielmannszug gemeinsam mit dem Eberstädter Turnverein. Eine Besonderheit ist, dass wir heute zwei Trägervereine haben: Das Blasorchester ist sowohl eine Abteilung des Turn- und Sportvereins 1922 Eberstadt als auch der Freiwilligen Feuerwehr Eberstadt.

Sitz des Vereins ist Eberstadt, ein etwa 820 Einwohner zählender Stadtteil von Lich, der weithin bekannten mittelhessischen Kleinstadt „im Herzen der Natur“. Etwa die Hälfte unserer Aktiven kommt aber aus den Orten in der Umgebung von Eberstadt. Wir sind ein wenig stolz darauf, dass so viele nicht in Eberstadt wohnende Interesse daran haben, bei uns mitzumachen. Musik ist ein Hobby für alle Altersgruppen. So vereinen wir die Generationen – unserer jüngster ist acht Jahre alt, der älteste Musiker ist 77. Wir sind eine junge und junggebliebene Truppe, das Durchschnittsalter liegt bei etwas über 30 Jahren.

… unsere Vereinschronik

  1. Am Anfang war nur „Krach“ …
  2. Ein leistungsfähiger Spielmannszug entsteht
  3. Der musikalische Durchbruch gelingt
  4. Neue Ideen führen zur Umstellung
  5. Nach 50 Jahren beginnt eine neue musikalische Ära
  6. Gute Jugendarbeit als Grundlage für das Blasorchester
  7. Ein Generationswechsel bringt neue Impulse
  8. Wandel und Beständigkeit
  9. Das Blasorchester heute
  1. Am Anfang war nur „Krach“ …
    Als im Jahre 1922 ein Turnverein in Eberstadt gegründet wurde, fanden auch einige Turner gleich zur Musik und lernten Querflöte oder Trommel. Das Spiel der jungen Truppe wurde jedoch anfangs mehr als „Krach“ denn als Musik empfunden. Überliefert ist, dass deshalb zunächst außerhalb von Eberstadt im freien Feld geübt werden musste. Trotz aller anfänglichen Schwierigkeiten gab es aber schon 1923 den ersten Auftritt. Damals – wie auch heute noch – musizierte der Spielmannzug beim sogenannten „Eiermarsch“ der Feuerwehr.Der Spielmannszug fand jedoch schnell seinen Platz im Vereinsleben und begleitete zumeist die Turner auf ihre Feste und Turngänge. Nachdem sich der Spielmannszug 1937 um sieben junge Leute verstärkt hatte, musste der Spielbetrieb bereits zwei Jahre später mit Beginn des zweiten Weltkrieges eingestellt werden. Aus dem Krieg kamen vier Spielleute nicht mehr zurück.
  2. Ein leistungsfähiger Spielmannszug entstehtDer Wiederbeginn nach dem Krieg fiel schwer, denn das Marschieren war vielen noch in schlechter Erinnerung. Dennoch fanden sich 1946 sechs Männer zusammen, um die Trommeln und Querflöten erneut zur Hand zu nehmen. Diese kleine Gruppe machte die Spielmannsmusik in Eberstadt wieder populär, so dass man neue Aktivisten hinzugewinnen konnte. Bis 1951 war der Zug personell und musikalisch in der Lage, um unter der Stabführung von Heinz Grüschow wieder an Festzügen teilzunehmen. Die Premiere war der Festzug des Turnfestes in Gießen-Wieseck.Am Zustrom jugendlicher Spielleute fehlte es nun nicht mehr, so dass der Zug bald eine Stärke von 35 Mann erreichte. Das Einüben neuer Märsche war nicht einfach, denn viele Spielleute besaßen keine Notenkenntnisse. In unzähligen Übungsstunden mussten die Märsche daher im wahrsten Sinne des Wortes „eingepaukt“ werden. Aber gerade dies erwies sich in der Folgezeit als Vorteil.
  3. Mit der Teilnahme am Kreisfeuerwehrverbandstag 1952 in Grünberg trat der Spielmannszug erstmalig bei einem Feuerwehrfest auf. Die Vorstände von Turn- und Sportverein und und Freiwilliger Feuerwehr hatten sich zuvor darauf geeinigt, dass von nun an für beide Ortsvereine gespielt werden soll. Die finanziellen Lasten wurden somit tragbarer und 1954 konnten eine große Trommel, ein Becken, eine Lyra und fünf Fanfaren hinzugekauft werden. Die Entwicklung zum Spielmanns- und Fanfarenzug nahm ihren Lauf.
  4. Der musikalische Durchbruch gelingt
    Bei den Festzügen in der Umgebung war man nun ein gern gesehener Gast. Ab 1958 nahm der Spielmannszug an den ersten Wettstreiten teil, allerdings noch ohne nennenswerte Erfolge. Eine intensive Übungsarbeit und ein guter kameradschaftlicher Geist innerhalb des Zuges trugen jedoch schon bald Früchte. 1960 auf dem Wettstreit in Gießen konnten gleich drei erste Siege in den Klassen ‚Spielmannszug’, ‚Fanfarenzug’ und ‚gemischte Klasse’ errungen werden – der musikalische Durchbruch war geschafft.
    1961 führte man in Eberstadt selbst einen Wettstreit durch, an dem 26 Züge aus der näheren und weiteren Umgebung teilnahmen. Durch den finanziellen Erfolg dieser Veranstaltung war man in der Lage, sich neue Uniformen anzuschaffen. Es begann die Zeit der großen Erfolge. Der Zug spielte auf Wettstreiten in ganz Hessen und dem angrenzenden Rheinland-Pfalz. Nachwuchsschwierigkeiten hatte man keine, denn neben dem großen Zug, der mittlerweile eine Stärke von 50 Mann hatte, war auch ein Schülerspielmanns- und Fanfarenzug entstanden. Unter diesen 30 Schülern waren zum ersten Mal Mädchen mit dabei. Stabführerin des Schülerzuges war mit großem Erfolg Ulrike Grüschow, die später die Leitung an Hubert Müller übergab.
  5. Neue Ideen führen zur Umstellung
    Anfang der sechziger Jahre besuchten Eberstädter Spielleute erstmals Landeslehrgänge der Hessischen Turnermusiker. Dort sahen und hörten sie, wie sich andere Vereine zur harmonischen Blasmusik hin entwickelten. Mit großen Ideen kam man nach Hause zurück. Hier fehlten jedoch sowohl die finanziellen Mittel als auch die für ein Blasinstrument qualifizierten Spielleute. Trotz aller Schwierigkeiten ließ man sich aber nicht von der Idee abbringen, auch in Eberstadt einen Musikzug mit Harmoniebesetzung aufzubauen.
    Durch eine groß angelegte Spendenaktion in der Gemeinde wurde der finanzielle Grundstein für die ersten Blasmusikinstrumente gelegt. Nach und nach lernten die Spielleute Noten und ein neues Instrument. Der Spielmann Helmut Reitz trat dabei immer mehr in den Vordergrund. Er trug in den folgenden Jahren durch seine unermüdliche Ausbildungsarbeit wesentlich dazu bei, dass ab 1966 ein 40 Mann starker Zug auftreten konnte.
    Unter Stabführung von Heinz Grüschow eilte der Zug währenddessen von Sieg zu Sieg. Sie alle aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Chronik sprengen. Stellvertretend sei der „Große Preis der Bundesrepublik Deutschland 1968“, ausgespielt im Kurhaus zu Wiesbaden, genannt. Heinz Grüschow. der 1969 zurücktrat, hatte während seiner 18-jährigen Tätigkeit als Stabführer den Verein geprägt und großen Anteil an den vielen Erfolgen.
  6. Nach 50 Jahren beginnt eine neue musikalische Ära
    Der seitherige musikalische Leiter Helmut Reitz übernahm 1969 nun auch den Dirigentenstab; wie sich herausstellen sollte, mit großem Erfolg. Unter seiner Leitung wurde der Zug letztlich komplett auf Blasmusikbesetzung umgestellt. Beim 50-jährigen Jubiläum des Turn- und Sportvereins 1972 konnte sich der „Musikzug Eberstadt“ erstmals in voller Harmoniebesetzung präsentieren. Der anlässlich des Jubiläums ausgerichtete Wettstreit war mit 20 teilnehmenden Spielmanns-, Fanfaren- und Musikzügen gut besetzt. Nach der erfolgreichen Durchführung dieses Festes konnte der Musikzug mit neuen Turneruniformen ausgestattet werden. Dieser folgte 1981 eine Feuerwehruniform. Mit dieser war man nun auch für entsprechende Anlässe ausgestattet und für den Kreisfeuerwehrverbandstag 1983 in Eberstadt bestens gerüstet.
    In den siebziger Jahren wurde das Repertoire stetig ausgebaut und größerer Wert auf Konzerte und Unterhaltungsmusik gelegt; die Teilnahme an Wettstreiten und Wertungsspielen trat in den Hintergrund. Auch hier stellte sich der Erfolg bald ein – bei vielen Gelegenheiten zeigte sich, dass man auf dem richtigen Weg war.
  7. Gute Jugendarbeit als Grundlage für das Blasorchester
    Ein weiteres großes Talent aus den eigenen Reihen reifte mit Gerd Biermann heran. Er hatte schon früh Fanfare und Trompete erlernt und engagierte sich seit Beginn des Jahrzehnts in der Ausbildungsarbeit. Er verstand es, die Jugend für die Blasmusik zu begeistern und baute in nur wenigen Jahren einen Jugendmusikzug auf, der dem großen Zug kaum nachstand. Die Jugendarbeit lief auf vollen Touren, Kinder und Jugendliche in großer Zahl fanden den Weg zum Musikzug. Viele davon zählen heute zu den Leistungsträgern im Orchester.
    Zu Beginn der achtziger Jahre wurde der Jugendmusikzug in den Musikzug integriert, dies beschleunigt durch den Weggang einiger älterer Musiker. Man entschloss sich, das jetzt über 50 Mann starke Orchester in „Blasorchester Eberstadt“ umzubenennen, um so die nun spielbare musikalische Vielfalt und Leistungsfähigkeit zu dokumentieren. Dieses Blasorchester war jetzt in nah und fern mehr gefragt denn je.
  8. Ein Generationswechsel bringt neue Impulse
    Schon seit etwa 1973 war Gerd Biermann stellvertretender Dirigent des Musikzuges. Nach der Integration des Jugendmusikzuges in das große Orchester übernahm er nach und nach gemeinsam mit Helmut Reitz die musikalische Verantwortung.
    Anfang 1986 erfolgte im Vorstand der Abteilung ein Generationswechsel. Otto Reitschmidt, der seit 18 Jahren die Geschicke der Musikabteilung gelenkt und den Aufbau des Musikzuges wesentlich mitgeprägt hatte, sowie einige seiner Mitstreiter legten die Verantwortung in jüngere Hände. Dem folgte auch Helmut Reitz: Im Sommer 1986 übergab er offiziell den Dirigentenstab an Gerd Biermann, blieb dem Orchester als Tenorhornist und stellvertretender Dirigent aber noch fast 20 Jahre treu. Matthias Rück, seit 1986 bereits Kassenwart, übernahm 1995 die Abteilungsleitung von Berthold Müller und führt seitdem die Geschäfte mit viel Geschick und Engagement. Mit Gerd Biermann steht ihm dabei bis heute ein fähiger Musiker und musikalischer Leiter zur Seite.
    In den späten achtziger und frühen neunziger Jahren wurde verstärkt Wert darauf gelegt, neben konzertanten Werken und der volkstümlichen Blasmusik auch modernen Blasorchester-Sound sowie Swing- und Big-Band-Titel einzustudieren. Die musikalische Vielfalt wurde weiterentwickelt, der Klangkörper ausgebaut. Die Blasmusikinstrumente der ersten Generation waren bis etwa 1995 komplett erneuert worden. Nachdem schon früh das kombinierte Schlagzeug, später ergänzt mit Percussionsinstrumenten, hinzugekommen war, wurde ein leistungsfähiger Saxofonsatz integriert; Elektrobass und Keyboard folgten. Damit war man nun in der Lage, auch die modernen Blasorchesterarrangements im charakteristischen Sound darzubieten. Ein zeitgemäßes Outfit gab es im Jahr 1991: Rote Weste, weißes Hemd und schwarze Hose sind bis heute en vogue und zu allen Anlässen ein bequemes Vereinsdress.
    Im Frühjahr 1994 wurde eine Beschallungsanlage angeschafft und so die Voraussetzung für das Gesangsduo „Rosi & Erich“ geschaffen. Rosemarie Schäfer und Erich Reitz waren von Anfang an Sympathieträger und begleiteten über 10 Jahre das Orchester sehr erfolgreich. In den letzten Jahren wurden weitere Gesangstalente im Orchester entdeckt, die wiederum neue musikalische Möglichkeiten eröffneten.
  9. Wandel und Beständigkeit
    Die Trägervereine sind seit vielen Jahrzehnten der Turn- und Sportverein und die Freiwillige Feuerwehr Eberstadt. Im Jahr 1987 fanden sich zudem 25 Freunde des Blasorchesters zusammen und gründeten den „Förderkreis Eberstadt – Verein zur Förderung der Blasmusik e.V.“. Der heute auf 140 Mitglieder angewachsene Verein leistet eine wertvolle Unterstützung insbesondere bei Jugendarbeit, Aus- und Fortbildung.
    Früher wie auch heute wird Wert auf den kameradschaftlichen Geist im Verein gelegt, denn neben musikalischem Können ist dies die Grundlage für ein gesundes Vereinsleben. Im Laufe der Zeit fanden unzählige Gemeinschaftsveranstaltungen statt. Vereinsausflüge führten an die See, in die Berge oder die Großstadt und ins benachbarte Ausland. Besonders erwähnenswert sind hier die fünf Fahrten in Lichs südfranzösische Partnerstadt Dieulefit, die stets nicht nur ein musikalischer Erfolg waren.
    1988 wurde eine fruchtbare Freundschaft mit der Musikkapelle Eberstadt aus der Partnergemeinde im südlichen Odenwald begründet. Gesellige Aktivitäten sowie gemeinsame Auftritte führen seitdem die beiden Vereine immer wieder zusammen. Zuletzt konnte hier 2007 in Butzbach mit insgesamt 57 Musikerinnen und Musikern die größte Musikgruppe im Hessentagsfestzug aufgeboten werden.
    Unverzichtbar im Sinne von „Wandel und Beständigkeit“ ist eine permanente und gute Jugendarbeit. „Wandel“ daher, weil nur ein musikalischer Nachwuchs ein Orchester dauerhaft am Leben erhält. „Beständigkeit“ daher, um durch gute Ausbildungsarbeit gute Nachwuchsmusiker heranzubilden, die den erreichten Leistungsstand erhalten und weiter ausbauen können. Diese Ausbildungsarbeit, nebenbei bemerkt, wird mit viel Einsatz und Besonnenheit von Musikerinnen und Musikern aus dem Orchester ehrenamtlich geleistet. Das Blasorchester ist heute auch hier gefragter Partner für Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus der Umgebung, was eine Zahl von 20 Schülerinnen und Schülern im Jahr 2007 belegt.
  10. Das Blasorchester heute
    Das musikalische Bild des Vereins hat sich im Laufe der Jahrzehnte total gewandelt. Legte man früher Hauptaugenmerk auf Marschmusik und die Teilnahme an Wettstreiten und Wertungsspielen, so ist das Orchester heute bei den verschiedensten Anlässen anzutreffen. Schwerpunkte sind dabei viele Unterhaltungs-, Frühschoppen- und Kurkonzerte.
    Heute kann das Blasorchester von der volkstümlichen Blasmusik über Marschmusik, festliche und konzertante Werke, Schlager, Evergreens, Swing und Big-Band-Sound bis hin zu Titeln aus der Popmusik ein breites Spektrum darbieten. Highlights sind seit 1991 die alljährlichen Frühlingskonzerte, wo die Neueinstudierungen des Winterhalbjahres vorgestellt werden. Weitere Klangvariationen ergeben sich durch das „Spiel in kleinen Gruppen“, wodurch Musikerinnen und Musiker zusätzlich gefordert und gefördert werden. Einen Querschnitt aus dem Repertoire auf Tonträger konnte man erstmals im Jahr 2000 mit der CD „Pop und dicke Backe“ präsentieren. Immer aktuell und „weltweit erreichbar“ ist das Orchester seit 2005 mit seiner Homepage www.BLO-Eberstadt.de
    Die Musik ist ein Hobby ohne Altersbegrenzung; so vereint sie heute im Blasorchester Musikbegeisterte von 7 bis 77 Jahren. Rund 50 Musikerinnen und Musiker kommen regelmäßig zusammen, um gemeinsam ihrem „Hobby Musik“ nachzugehen. Etwa die Hälfte der Aktiven kommt von auswärts. Dies zeigt, wie attraktiv das Musizieren im Blasorchester Eberstadt ist. Blasorchester Eberstadt – weil Musik Spaß macht!

Hansgünter Schneider

Juli 2007

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